Liebe Leute,
wie ihr sicherlich fesgestellt habt,bin ich in letzter Zeit etwas schreibfaul geworden. Daraus sollte man allerdings nicht schliessen, dass ich nichts mehr zu berichten habe. Im Gegenteil; es passiert so viel und das die ganze Zeit, dass es mir schwerfaellt es hier in angemessener Form zu ueberliefern. Deswegen bitte ich um Nachsicht, wenn mein Beitrag vielleicht etwas an Strukturlosigkeit leidet.
Accra war wunderbar! Ich habe in der Salvation Army (Heilsarmee) in einem 6-Bettraum genaechtigt. In Freiburg habe ich die Heilsarmee immer nur mit Obdachlosen in Verbindung gebracht, aber offensichtlich bietet sie auch Unterkunft fuer den genuegsamen Rucksacktouristen. Emsige Missionarsarbeit seitens mancher Mitarbeiter inklusive.
In Accra ist es kein Problem fuer den wohlbetuchten Europaeer den ein oder anderen Luxusartikel zu erstehen, ich habe mich allerdings mit Chicken Burgern und Pommes zum Fruehstueck begnuegt. In Accra gibt es auch wunderbare Nachtclubs, allerdings wimmelt es dort nur so von Prostituierten, deren Dienste ebenfalls gerne von Obrunis aus aller Welt, vorzugsweise aeltere Herren, in Anspruch genommen werden. Ich uebe mich selbstverstaendlich in Enthaltsamkeit, die staendigen Religioesen bekehrungsversuche zeigen Wirkung. Ausserdem bin ich als Wahlhamburger und bekennender Kiezgaenger dem Umgang mit leichten Maedels auch schon gwoehnt.
Von Accra habe ich dann nochmal einen kurzen abstecher nach Kokrobitey ans Meer gemacht. Hier war wieder Raggaenight angesagt, was ganz in Ordnung ist. Allerdings ist mir die Rastaafarimentalitaet manchmal etwas zuwieder, peace love and harmony my friend we are one world one people, die Augen sind geroetet vom dauerhaften Kiffen und einige Gehirnzellen wohl auch schon in Mitleidenschaft gezogen. Aber ich will hier ja keinem auf den Schlips treten, die meisten Rastafaaris sind doch ganz ok. Montag gings dann zureuck in die Heimat; Kumasi – Tanoso! Stuermisch wurde ich nicht nur von den Twins, sondern von halb Tanoso begruesst. Seitdem friste ich mein dasein im vollen Genuss meines Star-Statuses und pflege meine Nachbarschaftsbekanntschaften.
Ganz nach dem Mott, wer rastet rostet, werde ich mich Morgen allerdings schon wieder auf Reise begeben. Wenn nichts dazwischen kommt wuerd mich mein Weg nach Tamale, ganz im Norden fuerhren, dort werde ich den beruehmten Mole Nationalpark besichtige und auf dem Rueckweg noch den ein oder anderen Zwischenstopp einlegen. Man wird sehen, ich berichte dann wieder hier.
Nicht ganz ohne Stolz will ich hier noch verkuenden, dass ich seit 2 Tagen offiziel eingeschriebenes Medizinstudent bin, doch vorallem will ich Mama und Meinhard danken, die extra fuer mich nach Hamburg gefahren sind!
Olympia ist vorbei und ich bin im Nachhinein relativ froh, dass ich mir nicht zu viel, der von kommunistischen Regimen gewohnten Selbstinszenierung und programmierter Goldmedallien anhaeufung seitens der Chinesen bei den diesjaehrigen Dopingspielen antuen musste. Aber die Organisation soll ja Klasse gewesen sein, immerhin, das koennen sie, die Chinesen. Geburtsdaten faelschen und 13 jaehrige Maedels durch unmenschliches Training zu hochleistungs Turnmaschinen trimmen, scheint ebenfalls kein Problem fuer die KP zu sein. Bravo! Usain Bolt verdient allerdings mein vollen Respekt, wer zum Zwischenlauf unaufgewaermt in Badelatschen erscheint, dennoch eine 9,90 auf 100m rennt, im Finale dann Weltrekord joggt, obwohl 100m eigentlich nicht seine Spezialitaet sind, das ganze auf der 200m Distanz wiederholt, muss einfach ein Uebermensch sein. Das kann man nur noch mit Ironie ertragen! Ich hoffe ich bin nicht zusehr abgeschweift. Machts gut!